Stunde 0
Einsetzen
212 Stücke auf elf Platten. Die Rohglasur ist noch stumpf und grau wie Kreide.
Seladonschalen aus dem Holzofen. Jede bekommt in den Tagen nach dem Feuer ein eigenes Rissnetz in der Glasur, das es kein zweites Mal gibt.
Kein Gas, kein Strom. Fichte und Kiefer, Scheit für Scheit, bis das Innere weiß glüht.
Asche fliegt mit der Flamme durch den Ofen und legt sich auf die Schalen. Wo sie landet, bestimmt das Feuer.
Im reduzierenden Brand wird das Eisen in der Glasur grün. Daher kommt Seladon, nicht aus einem Farbtopf.
Aus dem Brennbuch des letzten Ofengangs. Zu zweit, im Wechsel, alle sieben Minuten ein Scheit.
Stunde 0
212 Stücke auf elf Platten. Die Rohglasur ist noch stumpf und grau wie Kreide.
Stunde 9
Ab hier geht keiner mehr schlafen. Zu viel Holz erstickt die Flamme, zu wenig lässt sie fallen.
Stunde 30
Wir schließen die Klappe halb. Das Feuer holt sich den Sauerstoff aus der Glasur, und aus rostbraunem Eisen wird jadegrünes.
Stunde 36
Die letzten Scheite, dann wird jede Öffnung zugemauert. Was jetzt passiert, kann niemand mehr anfassen.
Zwei Tage lang kühlt der Ofen aus eigener Kraft. In dieser Zeit entscheidet sich, wie die Schale aussieht.
Die Glasur ist flüssig wie warmer Honig und glüht. Scroll weiter, und der Ofen kühlt ab.
Ab jetzt ist sie Glas. Ein dünnes Glas, das fest auf einem Scherben aus Steinzeug sitzt.
Die Glasur zieht sich stärker zusammen als der Ton darunter. Sie findet keinen Platz mehr und reißt, zuerst am Rand.
Nur durch die Glasur, Bruchteile eines Millimeters tief. Jeder Riss endet an einem anderen, so schließen sich die Felder.
Es ist eben bei dir gewachsen. Beim nächsten Besuch wächst es anders. Wir nennen es Netz 0000.
Wo keine Glasur ist, brennt der Ton rostbraun. Es ist dasselbe Eisen, das in der Glasur grün geworden ist.
Seladonschale. Ø 14 cm, 7 cm hoch. Steinzeug aus dem Holzofen, Eisenfuß, 68 €.
Das ist der Besatzplan, von oben gesehen. Tipp auf einen freien Platz, dort brennt deine Schale.