Sie reißt beim Abkühlen. Mit Absicht.

Seladonschalen aus dem Holzofen. Jede bekommt in den Tagen nach dem Feuer ein eigenes Rissnetz in der Glasur, das es kein zweites Mal gibt.

Platz vormerken

Ein langer Holzofen aus Ziegeln unter einem Holzdach in der Dämmerung, aus der Feueröffnung leuchtet Glut, daneben gestapeltes Holz

Ein Ofen, sechsunddreißig Stunden.

Kein Gas, kein Strom. Fichte und Kiefer, Scheit für Scheit, bis das Innere weiß glüht.

Bei 1.280 °C schmilzt die Glasur.

Asche fliegt mit der Flamme durch den Ofen und legt sich auf die Schalen. Wo sie landet, bestimmt das Feuer.

Dann nehmen wir dem Feuer die Luft.

Im reduzierenden Brand wird das Eisen in der Glasur grün. Daher kommt Seladon, nicht aus einem Farbtopf.

Durch die Nacht.

Aus dem Brennbuch des letzten Ofengangs. Zu zweit, im Wechsel, alle sieben Minuten ein Scheit.

Ungebrannte Schalen mit stumpfer grauer Rohglasur auf Ofenplatten im Inneren des Ofens

Stunde 0

Einsetzen

212 Stücke auf elf Platten. Die Rohglasur ist noch stumpf und grau wie Kreide.

Hände in Lederhandschuhen schieben ein langes Scheit in die glühende Feueröffnung

Stunde 9

Schüren

Ab hier geht keiner mehr schlafen. Zu viel Holz erstickt die Flamme, zu wenig lässt sie fallen.

Stunde 30

Reduktion

Wir schließen die Klappe halb. Das Feuer holt sich den Sauerstoff aus der Glasur, und aus rostbraunem Eisen wird jadegrünes.

Stunde 36

Feuer aus

Die letzten Scheite, dann wird jede Öffnung zugemauert. Was jetzt passiert, kann niemand mehr anfassen.

Zumauern. Und warten.

Zwei Tage lang kühlt der Ofen aus eigener Kraft. In dieser Zeit entscheidet sich, wie die Schale aussieht.

Seladonschale von oben, jadegrüne Glasur auf hellem Steinzeug, die beim Abkühlen ein feines Rissnetz bekommt

Feuer aus. Noch 1.280 °C.

Die Glasur ist flüssig wie warmer Honig und glüht. Scroll weiter, und der Ofen kühlt ab.

Unter 600 °C wird sie fest.

Ab jetzt ist sie Glas. Ein dünnes Glas, das fest auf einem Scherben aus Steinzeug sitzt.

Dann wird es ihr zu eng.

Die Glasur zieht sich stärker zusammen als der Ton darunter. Sie findet keinen Platz mehr und reißt, zuerst am Rand.

Kein Riss geht durch die Schale.

Nur durch die Glasur, Bruchteile eines Millimeters tief. Jeder Riss endet an einem anderen, so schließen sich die Felder.

Dieses Netz gibt es nur einmal.

Es ist eben bei dir gewachsen. Beim nächsten Besuch wächst es anders. Wir nennen es Netz 0000.

Seladonschale umgedreht auf Leinen, der unglasierte Fuß ist rostbraun gebrannt, die Glasur endet in einer weichen Tropfkante

Am Fuß sieht man das Eisen.

Wo keine Glasur ist, brennt der Ton rostbraun. Es ist dasselbe Eisen, das in der Glasur grün geworden ist.

Seladonschale. Ø 14 cm, 7 cm hoch. Steinzeug aus dem Holzofen, Eisenfuß, 68 €.

Sie singt noch
Ein paar Tage nach dem Öffnen hört man ein leises Klicken. Dann wächst das Netz noch ein wenig weiter.
Die Risse dunkeln nach
Mit Tee färben sich die Linien über die Jahre. Jede Schale wird so noch ein Stück mehr die eigene.
Von Hand spülen
Warmes Wasser, kein Scheuern. Die Glasur ist hart, der Rand ist es nicht.
Seladonschale mit hellem grünem Tee auf einem alten Eichentisch, die Risse in der Glasur sind leicht nachgedunkelt
Nach einem Jahr Tee. Das Netz ist dasselbe, nur deutlicher.

Ofengang 19 ist im November.

Das ist der Besatzplan, von oben gesehen. Tipp auf einen freien Platz, dort brennt deine Schale.

Freie Plätze auf zwei Platten

Noch kein Platz gewählt.

Demo einer erfundenen Marke: Die Vormerkung wird nirgendwohin geschickt.